DIARY AYURVEDA 2012 #1 - INDIA KERALA DAY 8

Mittwoch, 21. November 2012 Kovalam, Kerala, Indien

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- Tag 8: Special Day / Special Guest -

Ich werde um 6:00 Uhr vom Wake-Up Boy geweckt, um meine Medizin einzunehmen. Ja, richtig um 6:00, denn heute ist ein besonderer Tag im Verlauf meiner Ayurveda Kur. Panchakarma - die tragende Säule der Gesundheitspflege - ist die anerkannteste Methode zur inneren und äußeren Reinigung. Dank der bemerkenswerten Erfolge in der Krankheitsprävention hat sie ihren etablierten Platz an Indiens Universitäten heute wieder inne. PANCHA (Fünf) und KARMA (Handlung bzw. Behandlung) steht als Synonym für eine fünffache Körperreinigung. Diese ausleitende Behandlung, auf die der Körper über sechs Tage lang vorbereitet wird, soll die überschüssigen DOSHAS aus meinem Organismus entfernen. 

Heute soll ich ruhen und meinem Körper eine Sendepause gönnen, was ich nun auch bedingt tue. Körperlich nicht besonders fit, eher träge, müde und schlapp, gehe ich trotzdem zur morgigen Breathing Class. Mental & geistig bin ich jedoch vollkommen dabei, als wären die Yoga Matte und ich eins. Ich verspüre kein Hungergefühl, zwinge mich jedoch am frühen Nachmittag die vorgesehene, wässrige & salzhaltige Reissuppe zu mir zu nehmen. Biologisch oder physiologisch gesehen ist damit der Reinigungsprozess beendet. Um 14:00 Uhr gehe ich zum leichten Treatment (Generalmassage, Facepack). Die Gesichtsmaske, die mir aufgetragen wird, riecht himmlisch: special powder, rose water, honey, lemon und Banane. Alles zu einer homogenen Masse gerührt und liebevoll auf die Visitenkarte unsereins aufgetragen. Ich mag zwar per se keine Bananen und schon gar nicht auf meinem Gesicht, halte jedoch die 30 Minuten still. Ich sehe danach, ohhh Wunder, wie ein Neugeborenes aus! Facepack mit Garantie, nachmachen lohnt sich also, Mädels!

Pünktlich um 16 Uhr stehe ich am vereinbarten Ort am Strand, doch keines der Kids ist da. Als ich mir gerade das am Ufer liegende Fischerboot anschaue, entdecke ich zwei Kids (Anju & Tadeus) darin versteckt. Ich werde durch das Fisherman´s Village namens Adimalathura geführt und einige Frauen nicken mir sehr freundlich im Vorbeigehen zu. Die Wohnbedingungen sind ... nun ja indisch eben. Den nötigen Schatten spenden die wundervollen Coconut-Palmen. Ich sehe sehr kleine Parzellen, auf denen heruntergekommene Häuser stehen. Die Außenfassade aller Häuser ist bunt bemalt, drinnen ist es farblos, karg und sehr auf das Wesentliche reduziert. Ich denke an unsere Zimmer mit Raufaser- oder Blümchen-Muster-Tapeten mit höchster Präzision geklebt - verkehrte Welt. Im Parzellen-Labyrinth erreichen wir endlich eine, in der ein frisch gemauerter Klassen-Raum errichtet wurde. Keine Fenster, keine Tür, dafür vier Wände und ein festes Dach über dem Kopf. Das Interieur des Raumes: 12 Plastikstühle, 5 Stühle mit einer Schreibablage, eine Schultafel und ein Stück Kreide. Heute ist dieser Raum besonders schön mit farbigen Luftballons und bunten Malereien der Kinder geschmückt. 

Ich lerne Joy Solomon, Teacher Advisor, kennen und erfahre nun, was heute gefeiert wird - einjähriges Bestehen der Coastal Brains in diesem Gebäude. Die Geschichte von Joy wird Euch wahrscheinlich genauso wie mich berühren, auch wenn sie zugegeben nicht besonders unique ist. Als Sohn eines Fishers verbrachte er seine Kindheit mit seinem Vater am Wasser, der den hart verdienten Unterhalt für seine Familie sichern musste. Eines Tages kreuzte sich der Weg des 10jährigen Jungen mit dem eines reisenden Engländers am Strand. Sie lernten sich näher kennen und es folgte eine langjährige Unterstützung, sowohl finanzieller als auch mentaler Natur. Es ging um viel mehr als nur ein bisschen Geld nach Indien zu schicken. Jegliche Vorbereitungen auf Aufnahmetests für die Schule, Motivationsgespräche, College-Support und Englisch-Kenntnisse wurden stark gefördert, vor allem durch eine tiefe Briefkorrespondenz. Joy wurde zum Teacher ausgebildet, ging für 2 Jahre Praxis auf die Malediven, um schließlich vor etwa 2 Jahren zu seinem Geburtsort nach Indien zurückzukehren. 

Sein englischer Mentor ist mittlerweile sehr alt und reist nicht mehr selbst nach Indien, aber der Kontakt ist über die Jahre bis heute noch erhalten geblieben. Ein Déjà-vu von "Ziemlich beste Freunde", sagt ihr ... ja, kann man so sehen. Unique ist jedoch, was er mit seinem Projekt "Coastal Brains" (for the education of fishermen children) vorhat. Aus Platzmangel unterrichtet Joy die ersten 12 Kids (6 Mädels & 6 Jungs) in der Zeit vor und nach der staatlichen Schule und konzentriert sich dabei auf das Wichtigste im Leben - ein Ziel vor Augen zu haben. Die ältere Generation gehörte zwangsläufig der Fischerkaste an, aus der sie nie ausbrechen konnte. Die neue Generation, wie überall auf der Welt, ist jedoch mutiger, lernwilliger, ein Stück weit rebellischer, vor allem aber wesentlich neugieriger. Das wichtige Bedürfnis und die Wandlung in der indischen Tradition haben hier, zu meiner positiven Überraschung, die Älteren deutlich erkannt. Sie entlassen ihre Kinder aus der täglichen harten Fischerman´s Arbeit und investieren in die Bildung und geistige Entfaltung. Geld haben die wenigsten von ihnen, aber die Zeit für Kinderarbeit, die auch Geld einbringen sollte, wird anderweitig verbracht und zwar hier in diesem Klassenraum.

Die coolsten Dinge in unserem Leben passieren gefühlt so ungeplant, obwohl ich das seltsame Gefühl nicht loswerde, dass es so eigentlich sein soll. Ich bin jedenfalls überglücklich hier zu sein und an diesem besonderen Ereignis der Einheimischen teilzunehmen. Zu meiner Überraschung kommt ein zweiter Special Guest, Chris aus Schweden, der mit seiner Mom ebenfalls eine Kur in unserem Ressort genießt. Wir bilden offiziell ein European-Komitee und werden zwangsläufig in die erste Reihe gesetzt. Die Eltern, vorrangig die Mütter, nehmen, ein wenig überrascht über unsere Anwesenheit, ihre Plätze ein und das Programm kann beginnen. Es folgen wunderschöne indische Tänze in farbenfrohen Saris, ein etwas holpriger Jungen Chorgesang und zwei lustige Geschichten mit einer weisen Konklusion werden auf Englisch vorgetragen. 

Anschließend eine exzellente Yoga Kurzvorstellung, von einem Jungen, der gerade über 2 Monate lang in einem Ashram praktiziert hat. Er möchte ein Yogalehrer werden und ich glaube es ihm auf Anhieb. Tja, hätte ich damals bloß nicht den lieben langen Tag Barbie-Puppen an- und umgezogen, .... dann wäre ich womöglich jetzt ...

Viele der Kids wissen bereits welchem Beruf sie nachgehen wollen und ich habe den starken Eindruck, deren Träume werden tatsächlich wahr. Und obwohl sie noch sehr süß, putzig und noch ein wenig verunsichert auftreten: alle haben ein klares Ziel vor Augen und arbeiten hart daran. Der Wecker klingelt oder eher der Hahn kräht bereits für manche um 5:00 morgens. Der Tagesplan zum Nachschauen unter http://www.coastalbrains.blogspot.in/. Im Anschluss werden selbstgebackene regionale Köstlichkeiten verteilt und ich beobachte die strahlenden Kindergesichter, die stolzen und zufriedenen Mütter und den sichtlich berührten Joy Solomon. Chris und ich haben eine verdammt richtige Entscheidung getroffen, die ruhige ayurvedische Mauer für diese paar Stunden gegen eine herzzerreißende Aktion einzutauschen.

Abends beim Dinner lasse ich die prägenden Eindrücke des Tages Revue passieren. Nicht alle am Tisch wollen meine heutige Geschichte hören. Mit dem Satz: "Armut gibt es überall auf der Welt" wenden sich manche dem Buffet zu und tauchen lieber in die bunte Welt der Gemüsevielfalt ein. Aber wie immer gibt es auch ein oder zwei Personen, die menschlicher darauf reagieren und diese versorge ich den ganzen Abend auf meine charmante Art ;-) mit nützlichen Informationen. An diesem Abend verändert sich mein bisher eher oberflächlicher Bezug zum Thema Essen ganz automatisch.



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