DIARY AYURVEDA 2012 #1 - INDIA KERALA DAY 10

Freitag, 23. November 2012 Kovalam, Kerala, Indien

Tags: #ayurveda, #businesshealthcoach #somatheeramayurvedichospital #incredibleindia


- Tag 10: Spoken englisch -


Thankam (meine Therapeutin) begleitet heute Ihre Tochter nach Bangalore, daher wird das Treatment (Generalmassage, Podi kizhi, Sirodhara, Vasthy) eine andere Kollegin durchführen. Erstaunlich wie schnell sich die Sache mit der Gewohnheit in unser Leben einschleicht. Denn obwohl der Ablauf zwar derselbe ist und sich die Ersatz-Therapeutin ungeheuer bemüht, sitzt die "Frisur" nicht so wie immer.

Über "Vasthy" offiziell in meinem Tagebuch zu schreiben, kostet mich doch ein wenig Überwindung. Daher nur so viel zu diesem Thema: Vasthy, auch als medizinischer Einlauf bekannt, ist eine Heilmethode, bei der Kräuteröle, Pflanzenextrakte rektal verabreicht werden.
Mittags treffe ich endlich wieder Su am Strand und hole mir meinen ersten Sonnenbrand. Selbst Schuld, ich habe vergessen mich einzucremen und die Sonne hat in den 40 Minuten kein Erbarmen mit mir. Wir besprechen den geplanten Ausflug zum Sonnenaufgang am südlichsten Ort Indiens. Ich habe darüber im Reiseführer gelesen, fest entschlossen die 75 km auf mich zu nehmen, mir aber noch keine Gedanken gemacht, wie ich dahin komme. Su hat bereits alles organisiert. 

Ein vertrauenswürdiger Fahrer holt sie und vier Nikki´s Nest-Mitbewohner ab und dann werde ich eingesammelt. Total klasse, ich freue mich so sehr, dass mich sogar die unmenschliche Uhrzeit - Abfahrt 3:30 - keineswegs erschreckt. 75 km in 2,5 h ... sind wir in der Steinzeit angekommen? Nein, wir sind immer noch in Indien und das ist auch gut so!

Meine Schulter brennen so sehr, dass ich direkt den Medical Doctor aufsuche, um Hilfe zu holen. Im Ayurveda Hospital ist 24h durchgehend ein Arzt zu erreichen. Wir sprechen nicht, wir tauschen lediglich Blicke aus, die mehr als 1.000 Worte sagen. 5 Minuten später gehe ich mit einer frischen Aloe Vera Pflanze untern Arm in mein Cottage und kühle meine Schulter direkt mit dem "Saft und dem Fleisch" der Pflanze.

Ich lasse heute meine Intermediate Yoga Stunde ausfallen und gehe die Kids besuchen. Wir sitzen im Schulraum und ich zeige den Kids meine Fotos. Auf dem iPad habe ich alles bunt gemischt, auf meiner Kamera jede Menge Impressionen von Indien aus dem jetzigen und überraschenderweise aus dem letzten Urlaub in Indien. Die ganze Pracht von Rajasthan (einer der 28 Staaten Indiens) mit seinen über 1 Millionen großen Vorzeigestädten wie Jodhpur, Udaipur, Jaipur. Ein extrem seltsames Gefühl, den Kleinen ein großes Stück Ihrer Heimat auf meiner Kamera zu erklären. Ich denke an meine Kindheit, wie ich mit meiner Mom im dunklen Zimmer sitzend auf einen beleuchteten Globus starrte und mit meinem Finger eine faszinierende Reise in alle Richtungen unternahm. Ob die Kids jemals Ihr Land oder womöglich andere Länder, bereisen werden? Das hoffe ich insgeheim sehr. 

Überfluss kennen sie bisher nicht und trotzdem strahlen sie eine unglaubliche Wärme, Optimismus und einfach Freude am Leben aus. Ich versuche den Kindern zu erklären, was ein Media/Advertising Consultant den ganzen lieben langen Tag in Düsseldorf so treibt. Ich nehme als gutes lokales Beispiel eine Bleeching Zahnpaste und versuche mit ein wenig Dramaturgie, Schauspielkunst und Pantomime zu erklären wie ein Keyvisual und eine Media-Strategie entsteht. Dann will ich aber wissen, welchen Berufen die Kinder in der Zukunft nachgehen wollen und welche Träume Joy mit seinem Programm unterstützen möchte. Die Mädchen: Anju, Sheeba, Dhanya wollen Mathe-Lehrerinnen werden, Janeesha, Sindhu und Sheeba Medical Doctor. Unter den Jungs sehe ich schon einen Yogalehrer (Thomas), drei Piloten (John Britto, Thadeyosse & Sinu), einen Polizeibeamten (Vincent) und einen Ingenieur (Pushparaj). Zu ihren Hobbies gehören: self study = Lesen, Malen, Yoga praktizieren, Tanzen und Sport wie Kricket und kurze Strecken Sprint-Rennen. Erstaunlich, dass keiner von Ihnen Hobbies wie Schwimmen, Angeln oder Schifffahrten hat, die mit Wasser zu tun haben.

Ich erfahre ebenfalls, dass die sanitäre Versorgung so gut wie gar nicht vorhanden ist. Alle Kinder teilen sich nur ein Bad und es ist dringend notwendig, diesen Zustand zu ändern. Für den Bau eines Bads und einer Toilette wird ein Invest von ca. 25.000 R.S (etwas 367 €) benötigt. Mein Kopf arbeitet seit diesem Moment auf Hochtouren, um diesen Betrag zusammen zu kriegen. Da wir bei diesem Thema ohnehin schon sind, möchte ich mehr über den Zustand des Strandes erfahren. Dieser wird nämlich von den Fischern ebenfalls als natürliche Toilette benutzt. Da die typischen Dörfer wenige bis keine sanitären Anlagen besitzen, nutzen sie eben diesen biologischen Weg. Solange dieses Problem von der Regierung nicht gelöst wird, wird sich den nichts ahnenden Touristen ein seltsames Bild beim Strand-Spaziergang anbieten.



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