DIARY AYURVEDA 2012 #1 - INDIA KERALA DAY 13

Montag, 26. November 2012 Kovalam, Kerala, Indien

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- Tag 13: Saunieren in Indien -


Wie stellt Ihr Euch eine Sauna in Indien vor? Wahrscheinlich genauso wie ich: man schwitzt freiwillig auf einer hoffentlich nicht vorreservierten Liege und genießt die Hitze der Sonne. Mal ehrlich, logisch betrachtet macht eine Sauna in Indien doch gar keinen Sinn. Nun stimmt aber auch, dass "sich sonnen" also "den Teint der Haut auf eine natürliche und nicht zu selten krebserregende Art zu brutzeln" nichts mit dem Sauna Verfahren gemeinsam hat. 

Saunieren oder in Indien "Steambath" genannt, soll vor allem der Abhärtung gegen Erkältungskrankheiten dienen. Die Erhöhung der Körpertemperatur auf bis zu 39 °C während der Schwitzphase (künstliches Fieber) bewirkt innerhalb des Körpers dasselbe, was auch ein echtes Fieber bewirkt, nämlich eine Zerstörung von Krankheitserregern durch erhöhte Temperatur. Saunabaden dient auch der Hautpflege und verlangsamt die Hautalterung (Gefäßtraining). Heute steht genau diese Anwendung neben der bereits bekannten Rejuvenationmassage auf dem Treatment-Plan. Ich werde zu einem Raum geführt, in welchem eine aus Holz gebaute große Box steht. 

Der Holzwürfel erinnert mich an einen Umzugskarton, der gleich mit Inhalt gefüllt und oben zugeklappt wird, aber so, dass mein Kopf rausschauen kann. Guillotine ist eine weitere Assoziation in diesem Moment, als ich mich hineinsetze. Es ist zugegeben etwas außergewöhnlich, aber ich versuche eine gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Thankam und ich lachen uns halb schlapp über diese "Steambath-Tortur", die ich über mich ergehen lasse. Ich erzähle Ihr wie bei uns die "Lass uns doch in die Sauna gehen"-Idee normalerweise zelebriert wird und verlasse nach 5 Minuten die indische Beauty-Box wieder. Denn, wenn es gut für mich war, dann waren diese 5 Minuten aus meiner Sicht hier absolut ausreichend.

An meinem vorletzten Tag gehe ich endlich in das Dörfchen, um meinem sehr guten Freund Daniel eine Chirava zu besorgen. Chirava ist eine Maschine oder besser gesagt eine Art Reibe, die die Inder zum frischen Kokosnussraspeln benutzen. 

Ich habe über eine Woche lang gebraucht, um mit Händen und Füßen unserem Koch zu erklären, was genau ich eigentlich suche. Eines Abends durfte ich sogar einen Blick in die Hotelküche werfen und sah dort eine sehr einfache spartanische Maschine, die aber aufgrund ihrer Größe nie in einem herkömmlichen Koffer transportiert werden könnte. Es gäbe wohl eine einfachere Variante und diese soll ich in einem Hardware-Shop an der Hauptstraße um die Ecke suchen. Im dritten Kiosk zwischen Schrauben, Farbeneimern und Glühbirnen bin ich am Ziel. Ich halte die Chirava in der Hand - klein & handlich, nicht besonders vertrauenserweckend und aus meiner Sicht auch ein wenig verrostet (aus Verkäufersicht "nur ein bisschen verstaubt"). Ich kaufe das Teil trotzdem für 50 R.S. und hoffe, dass sie Daniel eine lange und treue Küchenutensilien sein wird. Um 16 Uhr treffe ich Joy Solomon zu einer Besprechung bezüglich des Coastal Brains Projektes im Ressort. 

Wir sitzen im Open Air Restaurant, trinken das obligatorische Herbal Water und Joy erklärt mir die aktuelle finanzielle Lage jedes einzelnen Kindes und auch seine, denn er trägt die gesamte Verantwortung. Neben dem dringenden Umbau, vor allem im sanitären Bereich, geht es zukünftig um eine Art "Education-Patenschaft" für jedes einzelne Kind. Die Annual school expense (uniforms, dresses, books, pens, other materials) pro Kind betragen 2.000 R.S (15 Euro) pro Jahr. Ich denke darüber nach, wofür wir zuhause 15 Euro ausgeben und wie schnell das manchmal passiert. Ein Jahr Freude für ein Kind Sinn- und Zukunftsgesteuert versus einen Long Drink beispielweise, der uns natürlich einen kurzen Wohlfühl-Kick am Wochenende garantiert. Vielleicht 2-3 Mal abends im Kiosk um die Ecke überteuert einkaufen, weil man keine Zeit oder Lust hatte, das Notwendigste auf herkömmliche Art und Weise zu besorgen. Ich denke an meinen letzten Parkverstoß in unserem bunten Nachbarland Holland: 1h ohne Ticket = 55 Euro Strafe! 

Hart und gerecht, Ihr Lieben NL´s. An das obligatorische und von manchem Oberkasseler verhasste Kirmes-Besuch-Event im Sommer mit allen Höhen und Tiefen - wo man mit 15 Euro nicht weit kommen würde! Alles im Sinne der eigenen Befriedigung und alles mit dem Wort "Spaß" gesteuert. Spaß ist für mich einer der "Ocean"-Begriffe: aus Unmengen an subjektiven Meinungen definierbar und aus genauso vielen unterschiedlichen Perspektiven als notwendig klassifizierbar. Ich bin ein Freiheits- und Vielfalt-Befürworter deshalb ist das auch grundsätzlich gut so. 

Aber, um Himmels Willen, wenn ich in diesem Zusammenhang über meinen eigenen sinnlosen Konsum nachdenke, dann zwingt mich das auf der Stelle zum kategorischen Umdenken! Ich lebe in Deutschland, dazu noch in Düsseldorf, aber bei allem Respekt, vor allem vor mir selbst ... klar, die fünfte must-have Handtasche macht kurzzeitig "glücklich", aber viel glücklicher, erfüllter und nachhaltiger macht für mich doch eine Investition z.B. in das Schulklasseninterieur. Wie immer im Leben kommt es auf die gesetzten Prioritäten an: "Tasche", hier als Metapher zitiert, versus einem geraden und aufrechten Kinderrücken als Konzentrationshilfe und Support für die Kleinen. Ich habe meine Entscheidung bereits gefällt. Im Anschluss bitte ich Joy für mich ein paar Informationen über jedes einzelne Kind aufzubereiten. Ich möchte wissen, aus welchen Familien sie kommen, wofür sie sich interessieren und welche Träume & Hobbies sie haben? Ich werde diese Information und Quellen in Deutschland wohlüberlegt an meine lieben Freunde sharen, um sofortige Hilfe zu leisten.



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